Festrede zum 25jährigen Jubiläum der Berlin-Brandenburgischen Landjugend

Festredner Torsten Krause mit den Königinnen Julia Kopitzsch und Anne Schubert beim 25jähirgen Jubiläum der Landjugend

Festredner Torsten Krause mit den Königinnen Julia Kopitzsch und Anne Schubert beim 25jähirgen Jubiläum der Landjugend

Am 7. November feierte der Berlin-Brandenburgische Landjugend e.V. im Schloss Trebnitz sein 25jähriges Bestehen. Ich hatte die Ehre die Festrede halten zu dürfen, die ich hier sehr gerne dokumentiere.

Der Berlin-Brandenburgische Landjugend e. V. wurde am 31.12.1990 in Kyritz (OPR) gegründet. Die Mitglieder unseres Vereins sind in den Landkreisen Dahme-Spreewald, Märkisch-Oderland, Oberhavel, Ostprignitz-Ruppin, Potsdam-Mittelmark, Prignitz, Spree-Neiße, der Uckermark und in Berlin aktiv. Seit dem 01. Januar 2012 ist der Schloß Trebnitz – Bildungs- und Begegnungszentrum e.V. Mitglied des Verbandes und das Schloss die Bildungsstätte der Landjugend.

Wir sind Mitglied im Bund der Deutschen Landjugend, im Deutschen Jugendherbergswerk, im Deutschen Kinderhilfswerk und in der Heimvolkshochschule am Seddiner See. Wir sind assoziiertes Mitglied im Landesbauernverband Brandenburg, wirken im Landesjugendring Brandenburg e. V. und in vielen Kreisjugendringen mit. Wir arbeiten in den LAGen Jugendkoordination Brandenburg und Mobile Jugendarbeit/ Streetwork Brandenburg e. V. mit. Nicht zu vergessen sind selbstverständlich der Prebelower Kinderland e. V., unser Beitrag als Kooperationspartner im Toleranten Brandenburg sowie die Vertretung des Landesbauernverbandes Brandenburg im Aktionsbündnis gegen Gewalt, Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit.

Dieser Teil der Landjugend ist jedoch eher für wenige von uns, die Vorstände und Mitarbeitenden, direkt spürbar. Viele verbinden Landjugend ganz klar mit konkreten Ereignissen, wie der Internationalen Grünen Woche in Berlin. Neben dem Messebesuch, Diskussionsrunden zu agrarischen und jugendpolitischen Themen steht natürlich die große Landjugendfete im Mittelpunkt. Tausende Landjugendliche aus der ganzen Republik haben jahrelang die Arena in Berlin-Treptow und dann einmal auch eine Halle des Stahlwerks Hennigsdorf zum Beben gebracht. In den vergangenen zwei Jahren wurde in der Potsdamer Metropolishalle gefeiert. Legendär ist die kratzige Stimme von Dirk Detlefsen am Sonntagmorgen im ICC bevor das Theaterstück eines der Landesverbände aufgeführt wurde. Nur die wenigstens werden gewusst haben, dass diese Stimme nicht durch die Feier am Abend zuvor hervorgerufen wurde. Aber bei den meistens wird vielleicht gerade dieses Missverständnis zu seiner Popularität beigetragen haben.

2004 gab es im Saal 1 des ICC zum ersten Mal in der Geschichte des Bundes der Deutschen Landjugend ein Theaterstück der Landjugend aus Brandenburg und Berlin zu sehen. Vor rund 1.500 Jugendlichen aus allen Teilen Deutschlands, vor Prominenz des Deutschen Bauernverbandes und Vertretern der Bundesregierung wurde in einem selbst erarbeiteten Theaterstück unsere Sicht des Lebens auf dem Lande und in der Stadt dargestellt. Länger als ein Jahr waren die 20 schauspielernden Jugendlichen aus Ostprignitz-Ruppin, Oberhavel, Cottbus, Berlin und anderen Regionen mit der Vorbereitung beschäftigt. Unter der Leitung von Friederike Möckel erarbeiteten sie ein Drehbuch, lernten das 1 x 1 des Schauspiels, kümmerten sich um Requisiten, Kostüme und Technik und probten unzählige Male das Stück mit dem Titel „Liebe und andere Schwierigkeiten – Romeo und Julia zwischen Stadt und Land“. Der Schauplatz: – ganz klar – die Bushaltestelle als Treffpunkt für die Jugend in den kleinen Dörfern. Zwei Gangs treffen aufeinander – die Stadt- und die Dorfgang. In dem Stück ging es um verschiedene, individuelle und gesellschaftliche Konflikte. So wurden die Lehrstellensituation, Alkohol- und Drogenprobleme, Homosexualität, Vorurteile zwischen Stadt und Land, Pubertät, Eifersucht und vieles mehr im Hinblick auf die beiden unterschiedlichen Räume Stadt und Land angesprochen. Und angesprochen hat dies auch das Publikum, welches lange und frenetisch Beifall bekundete.

Populärer als die IGW ist wohl nur die Aktion Ferienspaß. Sommerferien ohne Eltern, mit vielen Bekannten, mit Freunden und mit Unbekannten, die zu Freunden werden. Wer nicht durch den Besuch einer Jugendeinrichtung zur Landjugend gefunden hat, ist höchstwahrscheinlich durch die Ferienangebote zu uns gekommen. In den besten Jahren sind rund anderthalbtausend Kids im Sommer mit der Landjugend nach Prebelow oder Weißwasser, nach Lloret de Mar, an den Balaton, an die polnische Ostsee, nach Arendsee oder Ruhlsdorf gefahren. Manch einer war als Kind schon dabei, viele kamen als Betreuende dazu. Und wir hatten richtig viel Spaß. Ich denke nur an den Stuhltanz mit über 200 Kindern oder selbst entwickelte Veranstaltungen wie die Boy- und Girlwahlen. Unser damaliger Ministerpräsident Manfred Stolpe wurde beim Indianerfest an den Marterpfahl gebunden und Neptun jagte Kindern, wie Betreuenden so machen Schrecken ein. Und wenn dann alle Kids endlich im Bett waren, saßen wir am Lagerfeuer, spielten Musik, erzählten uns Geschichten, ver- und entliebten uns. Froh war man, dass man anders als die Nachtwache einfach ins Bett gehen konnte, wenn man müde war und glücklich war man, wenn dann am nächsten Morgen keinen Ketchup aus dem Shampoo kam. Für mich gehört aber auch dazu, dass morgens, wenn alle wieder raus aus den Betten mussten durch das ganze Gelände das „Hier kommt die Maus-Lied“ erschall. Besonders ungewohnt, ja direkt komisch war es dann, wenn man nach vierzehn Tagen oder gar zehn Wochen des gemeinsamen Essens, Spielens, Badens, Feiern, Arbeiten und Spaß haben wieder allein zuhause in seinem Zimmer aufwachte. Ja, es war zwar schön, mal wieder ganz in Ruhe durch- und ausschlafen zu können, aber dann Frühstück in der eigenen Küche statt im Speisesaal?

Für viele von uns war und ist Landjugend zu einer zweiten Familie geworden, wie Maik es einmal formulierte. Manche haben es sogar wörtlich genommen, sich bei Landjugend kennen- und liebengerlernt, eine Familie gegründet. Seit einiger Zeit fahren diese Kinder schon mit zu den Veranstaltungen. Und ich bin immer noch überrascht, wenn dann auf einer privaten Feier erwachsene Menschen neben mir stehen, von denen sich im Laufe des Gespräches dann herausstellt, dass man sie vor Jahren selbst im Ferienlager betreut hat. Ja, nicht nur die Landjugend wird älter – auch wir werden es mit.

Natürlich ist der Eindruck, dass wir alle viel Spaß miteinander hatten und haben überhaupt nicht falsch. Es wäre aber schon zu kurz gesprungen, wenn man nun meinen würde, sonst stecke bei der Landjugend nicht viel dahinter. Das Gegenteil ist der Fall. Landjugend ist engagiert, politisch, aber nicht parteilich, Landjugend ist solidarisch und gestaltet mit. Wir diskutieren nicht nur, sondern packen an. Bei den Hochwassern an Oder und Elbe, haben wir Spenden gesammelt und kostenfreie Freizeiten für Kinder aus den betreffenden Gebieten in Polen und Tschechien organisiert. Die Kinder konnten durchatmen und waren im besten Sinn abgelenkt während ihre Eltern die Möglichkeit hatten sich ohne Sorge um ihre Kinder, um Haus und Hof kümmern zu können. Aber auch ohne Katastrophe oder andere Anstöße sind wir aktiv. Weit über Landjugend hinaus ist die 48-Stunden-Aktion bekannt. An einem Wochenende im Frühjahr stellen sich Jugendgruppen in ihrem Heimatort einer Aufgabe für die Gemeinschaft und setzen sie um. Das können ganz verschiedene Maßnahmen, wie die Instandsetzung der Postmeilensteine im Ort, die Säuberung des Dorfteiches, die Herrichtung des Dorfplatzes, die Renovierung des Gemeinschaftshauses oder, oder, oder sein. Unvergessen und für mich eine der beeindruckendsten Leistung unserer Landjugend ist der Bau eines Skaterparks neben der Dossehalle in Wusterhausen. 1999 bauten die Jugendlichen der vier Jugendclubs aus Dessow, Bantikow, Trieplatz und einige aus Wusterhausen einen Inline-Skate-Park und gestalteten damit einen Teil der Ödfläche eben zwischen der Dossehalle und einem Einkaufsmarkt zu einem attraktiven Treffpunkt für junge Leute um. Zusätzlich wurde ein Fußweg zum Seniorenheim und zur anliegenden Schule geschaffen. Die 50 Helferinnen und Helfer haben in der Aktion etwa 1.500 Tonnen Sand bewegt, 500 Tonnen Untergrundmaterial verlegt und knapp 190 Tonnen Bitumen verbaut. Der Wert der Aktion belief sich auf rund 110.000 DM. Viel wichtiger jedoch ist, dass die vier Jugendgruppen aus den umliegenden Dörfern eine gemeinsame Aktion unternahmen und das Projekt gemeinsam abgeschlossen haben. Schon vor der Eröffnung warteten viele Kinder und Jugendliche auf die Übergabe, um mit ihren Rollerskates die Bahn einzuweihen. Wenn auch in anderen Dimensionen wurde so im ganzen Land über Jahre hinweg viel Bleibendes für die Gemeinschaft geschaffen. Unser letztes Jubiläum vor fünf Jahren fand übrigens genau an diesem Skate-Park in der Dossehalle Wusterhausen statt.

Geackert wird auch regelmäßig beim Berufswettbewerb in den Bereichen Haus- und Forstwirtschaft, Land- und Tierwirtschaft. Im Finale des letzten Berufswettbewerbs mussten die Teilnehmenden der Sparte Landwirtschaft einen Getreideschlag unter anderem auf Schädlinge und Krankheiten kontrollieren, sich im Geschicklichkeitsfahren und beim Greening beweisen. Im Bereich Landwirtschaft II (Landwirte in Fortbildung) mussten Auszubildende an der Sämaschine unterwiesen und ein Zählrahmen gebaut werden. Das Brandenburger Team bestehend aus Sven Berensmeier und Benjamin Zinsler-Ebel erreichte dabei den dritten Platz. Und damit Rebecca Harnack aus Brandenburg den Bundessieg in der Tierwirtschaft einfahren konnte musste sie frisch geborene Ferkel versorgen, den Tierkomfort in einem Stall beurteilen, Futtermittel erkennen sowie Fütterungsfehler vermeiden.

Wichtig ist uns aber nicht nur das Zusammenleben in einer intakten Umwelt, sondern auch mit Menschen anderer Nationen. Natürlich liegt es nahe, dass wir insbesondere zu jungen Menschen in Polen seit Jahren Kontakt halten, uns besuchen und austauschen, die Verständigung zu konkreten Themen führen und auch gemeinsam feiern. In den 90er Jahren entwickelte sich ein intensiver Kontakt mit dem polnischen Landjugendverband ZMW, der viele von uns regelmäßig in das Nachbarland führte und auch hier Freundschaften und mindestens eine Familie mit inzwischen schon zwei Kindern entstehen ließ. Der tragische Unfall des polnischen Vorsitzenden Macziek Kostka berührte auch bei uns in Brandenburg viele. Zwischenzeitlich arbeiten wir stärker mit EUREKA, einem Verein aus Tarce zusammen und auch in der Kooperation mit Trebnitz direkt im deutsch-polnischen Grenzraum können wir unsere Erfahrungen einbringen. Austauschprogramme gab es in der Vergangenheit auch mit holländischen Jugendlichen und dem französischen UCJG-Verband. Persönlich ist mir eine trinationale Fahrt vor vierzehn Jahren nach Sanary-sur-Mer noch sehr präsent. Ein damaliger Jugendclubbesuch in einem Brennpunktviertel von Toullon irritierte viele der polnischen, aber auch deutschen Teilnehmenden, ob der so nicht gekannten sozialen Situation.

Landjugend setzt sich durch den Besuch von anderen Ländern und anhand aktiver Gedenkstättenseminare mit Fragen von Toleranz, Demokratie und Gleichwertigkeit auseinander. Bereits in den 90er Jahren hat BBL mit der RAA Brandenburg und den mobilen Beratungsteams zusammengearbeitet, um fremdenfeindlichen Tendenzen entgegenzutreten und einen Beitrag für ein Mehr an Miteinander auch im ländlichen Raum zu leisten. Im damaligen Bündnis „Brandenburg gegen Rechts“ war Landjugend gemeinsam mit anderen Verbänden aktiv, hat Konzerte und Veranstaltungen organisiert, Stellung bezogen und Gesicht gezeigt. Landjugend stand und steht für ein offenes und tolerantes Miteinander. Und ich habe die Hoffnung und den Wunsch, dass auch die heute in der Landjugend engagierte Generation sich klar positioniert. Unser Verband hat immer Menschen zusammengebracht, die sonst nur sehr wenig miteinander zu tun gehabt hätten: Prignitzer, Lausitzer und auch Berliner, also Städter und junge Menschen vom Land, aber eben auch Studierte und Facharbeitende, jüngere und ältere Menschen. Jugendliche, mit unterschiedlichen Interessen und Neigungen verbringen mit und bei der Landjugend Zeit, tauschen sich aus, sammeln Erfahrung und gestalten etwas gemeinsam. Ich war immer erstaunt, welche Bindewirkung unser Verband entfalten kann und ich habe den Wunsch, dass wir dieses Potential gemeinsam nutzen können, um die Menschen, die heute zu uns kommen, um Schutz, Ruhe und Frieden zu finden in unserer Gesellschaft aufzunehmen. Viele dieser Menschen werden viele Jahre bei uns bleiben, weil sich die Situationen in ihren Heimatländern in absehbarer Zeit nicht zum Besseren wenden wird. Wenn dies so ist, sollte es auch unsere Aufgabe sein ihnen hier bei uns das Ankommen zu erleichtern und ihnen eine neue Heimat zu geben. Ich freue mich, dass dies in unserer Fehrbelliner Regionalstelle schon ganz intensiv gelebt wird.

In vielen Zeitensprünge-Projekten des Landesjugendringes Brandenburg und der Stiftung Demokratische Jugend haben sich unsere Gruppen mit Fluchterfahrungen in der deutschen Geschichte, aber auch mit vielen anderen lokalen Begebenheiten und Ereignissen auseinandergesetzt. Dieses Wissen kann nun hilfreich sein, um mit Verständnis und Empathie aufeinander zu zugehen. Die zu uns kommenden Menschen brechen nicht in unser Leben ein, wie manch einer meint, um uns hier etwas streitig zu machen. Vielmehr sind die meisten von Ihnen hier bei uns, weil sie dort, wo sie vorher zuhause waren, ihres Lebens nicht mehr sicher sind.

Eingebrochen in tatsächlich böser Absicht wurde am 7. Februar 1998 in unsere Landesgeschäftsstelle während in Dabergotz die Mitgliederversammlung stattfand. Es wurden unser Computer, das Faxgerät, das Modem und die Disketten gestohlen. Die Buchhaltung für das Jahr 1997 und die Vorbereitung für den Steuerberater waren verloren und das stellte die Geschäftsstelle vor viel Mehrarbeit. Aber auch unsere sich gerade neu aufbauenden Kommunikationsstrukturen, wie unser Fax-Newsletter wurden so zumindest zeitweise unterbrochen. Heute können wir uns das ja nicht mehr vorstellen, aber damals hatten wir noch Haushaltsposten von je 10.000 DM für Telefonate und Porto. Diese Situation ist heute Dank Flatrates, E-Mails und Sozialen Netzwerken eine ganz andere. Aber Kommunikation unter- und miteinander ist und bleibt in einem Verband, der auf einen hohen Grad an Beteiligung setzt, unerlässlich. Unser Verband setzt darauf, dass sich seine Mitglieder aktiv einbringen und das Vereinsleben gestalten. Wir möchten, dass die Kinder und Jugendlichen in unseren Einrichtungen, in den von uns unterstützten Schulen und im Rahmen unserer Angebote selber Teil daran haben, was in unserem Verband passiert, wohin er sich und wohin sich unsere Schulen und Kommunen entwickeln. Themen und Fragestellungen, die junge Menschen direkt betreffen gibt es zahlreich. Angefangen eben beim Angebot der Jugendarbeit selbst, über die Erreichbarkeit der Angebote mit Bus und Bahn, die Gestaltung des Schulalltags bis hin zu Ausbildungs- und Arbeitsplatzfragen, gibt es eine Vielzahl von Punkten, die junge Menschen direkt in ihrem Leben betreffen. Neben eigenen Formaten der Beteiligung im Verband – Jugendliche tragen bei uns als Klubräte und Vorstände Verantwortung für den Mitteleinsatz und das Personal, das Jugendparlament Kyritz wurde 2010 als Demografie-Projekt des Monats durch die Landesregierung ausgezeichnet – war es eine langjährige Forderung der Landjugend, das Wahlalter auf 16 Jahre abzusenken. Bereits in den 90er Jahren haben wir uns dafür eingesetzt. Unsere Mitgliedschaft war politisch aktiv. Wenn es mal wieder hieß, öffentliche Gelder für die Jugendarbeit zu reduzieren und Angestellte in den Jugendeinrichtungen nicht weiter zu finanzieren, blockierten wir bspw. eine Bundesstraße in Ostprignitz-Ruppin, besetzten ein Arbeitsamt durch das Ziehen ungezählter Wartenummern, luden Mist vor dem Landtag ab und artikulierten uns deutlich. Die ORB-Sendung „Vor Ort“ kam wegen uns in die Prignitz, „Brandenburg Aktuell“ berichtete live von unserer Geschäftsstelle. Zu den Wahlen 2004 haben wir unter der Mitgliedschaft und darüber hinaus 16 und 17jährige parallel zu den Wahlen abstimmen und mitentscheiden lassen. Mit der Zeit gehend gab es 2008 auf der Internationalen Grünen Woche eine virtuelle Demonstration, um auf die Lebensbedingungen auf dem Land hinzuweisen, an der über 2500 Menschen teilgenommen haben. Dass seit 2011 das Wahlalter in Brandenburg tatsächlich durch den Landtag für Kommunal- und Landtagswahlen von 18 auf 16 Jahre abgesenkt wurde, ist somit auch ein Erfolg der Berlin-Brandenburgischen Landjugend. Für uns ist damit das Ende der Entwicklung aber noch nicht erreicht. In Zusammenarbeit mit dem Schloss Trebnitz war es so naheliegend, ein gemeinsames Projekt zu entwickeln, um Partizipationsberater_innen und Konfliktmanager_innen auszubilden. Wir wollen, dass junge Menschen sich einbringen, Verantwortung übernehmen und ihr Lebensumfeld aktiv mitgestalten. Diesem Anspruch gerecht werdend, konnte unser Verband erfolgreich Anja Mücke-Hansen, Andreas Pförtner und Andrea Förtsch in den Bundesvorstand der Landjugend entsenden. Anja wirkte dort sogar viele Jahre als Bundesvorsitzende und war so nicht nur für uns in Berlin-Brandenburg, sondern bundesweit ein Gewinn. Wenn man eines jedoch bei Landjugend gut erfahren kann ist es, dass wir gemeinsam vieles erreichen können. So war es beispielsweise 1999 in Cottbus möglich, erstmalig den Deutschen Landjugendtag in Brandenburg auszurichten. Mit über 100 Freiwilligen führten wir auf dem Gelände der Bundesgartenschau eine dreitägige Großveranstaltung für tausende Landjugendliche aus der ganzen Republik durch. Ein Ereignis, dass man auch mit vielen Worten nicht angemessen beschreiben könnte.

Ein Jubiläum ist Anlass zurück zu schauen. In 25 Jahren ist viel geschehen. Klar ist aber auch, dass trotz des oft angesprochenen demografischen Wandels junge Menschen nachfolgen. Unsere selbst gestellte Aufgabe, Kindern und Jugendlichen eine eigenständige und selbstbestimmte Entwicklung in ihrer Heimat zu ermöglichen ist nicht fertig oder zu Ende. Junge Menschen sind auch weiterhin darin zu unterstützen und zu fördern. Landjugend als Sprachrohr und aktiver Partner für das Aufwachsen in den ländlichen Räumen ist nicht verzichtbar. Es bleibt wichtig, den jungen Menschen die Entwicklung von Selbstvertrauen und Kreativität zu ermöglichen. Die ehren- und hauptamtlichen Mitarbeitenden unseres Verbandes sollten sich daher in ihrer Arbeit auch weiterhin als Begleitende, Fördernde, Vermittelnde und Beratende verstehen. Auch in Zukunft werden Freiwilligkeit, Wertschätzung und Akzeptanz, Mitbestimmung und Beteiligung wichtige Richtschnüre unseres Handelns sein. Aber auch das Feiern sollte eben nicht zu kurz kommen.

Umso mehr freue ich mich, dass die Landjugend in ihrer Entwicklung nicht verharren möchte, sondern sich neuen Entwicklungen und Herausforderungen stellt. Schule nimmt im Alltag von Kindern und Jugendlichen einen immer größeren Anteil ein, da macht es durchaus Sinn, sich auch dort zu engagieren. Allein das Thema Beteiligung in der doch ziemlich fest gefügten Institution Schule bleibt weiter spannend.

Die Zahl der Kinder und Jugendlichen geht zurück, die Bereitschaft zur Initiative sinkt. Ein Jugendverband muss mit vielen anderen – auch kommerziellen – Angeboten konkurrieren. Weshalb unsere Landjugend hier gute Chancen hat, habe ich schon vorher beschrieben. Umso besser ist es deshalb, wenn sich der Verband mit seinen Partizipationsberater_innen und seiner Bildungsstätte auf den Weg macht, sich an grundlegende Veränderungen der Organisation heranzuwagen. Ich bin schon sehr gespannt, wie die Ergebnisse zum Ende unseres Organisationsentwicklungsprozesses Ende 2016 aussehen werden und wie wir sie dann umsetzen. Die besten Ideen weder jedoch nicht in Vorträgen vermittelt, sondern entwickeln sich im direkten Gespräch miteinander. Deswegen komme ich gerne zum Schluss und freue mich auf unseren gemeinsamen Abend.

Ich wünsche uns allen viel Erfolg, danke allen Unterstützenden der Landjugend und hoffe, dass sie dem Verband weiter wohlgesonnen bleiben. Vielen Dank.